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ADAC
Sicherheit bleibt auf der Strecke: Durch die dreckige Scheibe ist kaum was zu sehen.

ADAC-Test:
Sichere Busreisen
sind Glücksache

Jede sechste Tour bedenklich - Nur ein Mal "sehr gut"

Bei seinem zweiten Busreisentest hat der ADAC kaum Verbesserungen zum Vorjahr festgestellt. Die Tester vergaben in vielen der 37 Fälle schlechte Noten, etwa wegen verdreckter Windschutzscheiben, vergitterter Notausgänge und telefonierender Fahrer. Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (bdo) redet das Ergebnis schön.

23.09.2004 [Archiv]

ADAC
Der Unsicherste: Urban-Reisen

Das erschreckendste Bild bot Urban-Reisen Gladbeck: Bei der Inselfahrt nach Helgoland stand der Fahrer offenbar so unter Zeitdruck, dass er rote Ampeln überfuhr und die Grenze seiner erlaubten Lenkzeit ignorierte. Auch Sicherheitshinweise und -ausstattung ließen zu wünschen übrig.

"Sicherheit bleibt auf der Strecke"

Am Donnerstag stellte der ADAC das Ergebnis seines zweiten Busreisentests vor, für den er 19 Ferienreisen, 14 Ausflugstouren und vier Fahrten mit Mietomnibussen unter die Lupe genommen hat. Trotz der großen Zahl von Busunfällen in letzter Zeit, hat sich bei den meisten Reiseveranstaltern in puncto Sicherheit seit dem Test im vergangenen Jahr wenig getan.

ADAC
Busfahrer mit zwei Handys

Die Zeitplanung wurde bei mehreren Unternehmen bemängelt. "Wo knapp kalkuliert wird, geht das zu Lasten des Fahrers, und die Sicherheit der Fahrgäste bleibt auf der Strecke", kritisiert Max Stich, ADAC-Vizepräsident für Tourismus. "Wirtschaftliche Zwänge eines Unternehmens dürfen kein Argument gegen mehr Sicherheit im Bus sein." Auch eingerissene Anschnallgurte, mit Bierkästen zugestellte Gänge oder vergitterte Notausstiege bereiteten den Kontrolleuren Sorgen.

Sicher nach London

Dass Busreisen auch ganz anders gestaltet werden können, zeigte der Testsieger City Tours Zeitz bei der getesteten Klassenfahrt von Werder nach London. Der ein Jahr alte Bus war auf dem neuesten technischen Stand, und auch die beiden Busfahrer entlockten den Testern ein "vorbildlich". Vor Fahrtbeginn kontrollierten sie den technischen Zustand des Busses, gaben ausführliche Sicherheitshinweise und sorgten dafür, dass sich die Schulkinder richtig angeschnallt hatten.

 
ADAC
Klare Sicherheitshinweise gaben Pluspunkte im Test.

 

Angesichts des Testergebnisses forderte der ADAC nochmals ein bundesweit einheitliches Gütesiegel, das Touristen Gewissheit in Bezug auf die Sicherheit des gewählten Busunternehmens geben könnte. Die verantwortlichen Busverbände RDA und bdo lehnen eine solche Plakette derzeit noch als unnötig und schwer finanzierbar ab.

 

bdo: Überzogene Kritik verfehlt

Im Gegensatz dazu sieht sich der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (bdo) durch die Testergebnisse sogar darin bestätigt, dass seine Mitglieder die gesetzlichen Standards "mehr als erfüllen".

Präsident Norbert Rohde begründete seine positive Auslegung des Tests damit, dass der ADAC nicht ein Mal das Urteil "mangelhaft" ausstellen musste. Zudem wies er darauf hin, dass die Ergebnisse nur Stichproben zeigten, und der Automobilclub seine Maßstäbe weit über die gesetzlichen Vorgaben gesetzt hätte.

Die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften würde durch die Gewerbeaufsichtsämter, die Landespolizei und das Bundesamt für Güterverkehr flächendeckend kontrolliert, so der bdo. Außerdem werde inzwischen wesentlich mehr für die Sicherheit in Bussen getan: Fahrer absolvierten vermehrt Fahrtrainings, ab Oktober stelle der bdo Sicherheitsvideos, ähnlich wie in Flugzeugen, zur Verfügung.

 

Rückwärtsfahren auf Seitenstreifen

Der ADAC warf der Busbranche im Gegenzug eine "Blockadetaktik auf Kosten der Sicherheit" vor. Wenn schlecht bezahlte Fahrer ein Sicherheitstraining selbst bezahlen und dafür auch noch Urlaub nehmen sollten, führe das in die Sackgasse. Problematisch sei immer wieder die Zeitplanung. Bei dem Test habe es Fahrer gegeben, die beim Fahren die Karte studiert oder auf der Autobahn auf dem Sicherheistsstreifen rückwärts gefahren seien, so Max Stich. Ausschließlich gute Noten gab es dagegen für den technischen Zustand der überprüften Busse.

 
Getestetes Unternehmen Urteil
City Tours Zeitz sehr gut
Schack Touristik, Alsfeld gut
W. Gimmler Wetzlarer Verkehrsbetriebe gut
Avanti Busreisen H.-P. Christoph, Freiburg gut
Euro Tours H. Pfeifer, Kappel gut
Krause J. Busbetrieb, Halberstadt gut
Reisebüro Fredrich, Lohfelden gut
Omnibus Dannenman, Weinstadt gut
Omnibus-Hassis, Östrien gut
Glauch Reisen, Viersen gut
Stuhler Reisen, Schwabmünchen gut
Köcher-Reisen, Falkenberg gut
Omnibus-Betriebe Beth, Lampertheim gut
Thüringer Rhön Tourist, Bad Liebenstein gut
J. Pfeifer Omnibusunternehmen, Waldmünchen durchschnittlich
Aschenbrenner Bus-Touristik, Viechtach durchschnittlich
Hausemann & Mager, Hagen durchschnittlich
Autoverkehr Wolpert, Alpirsbach durchschnittlich
Rübenacker Reisen, Altensteig durchschnittlich
Kretzschmar Bus- und Flugreisen, Radibor durchschnittlich
TRD-Reisen F. Fischer, Dortmund durchschnittlich
Müller-Kylltal-Reisen, Trier durchschnittlich
Marx Reisen, Fridolfing durchschnittlich
Kliewe-Reisen, Lemgo durchschnittlich
Reisebüro Kessler, Schweinfurt durchschnittlich
Janssen Reisen, Wittmund durchschnittlich
Flaegel Reisen, Gadebusch durchschnittlich
Brune Busse, Gelsenkirchen durchschnittlich
Walz-Reisen, Schömberg durchschnittlich
Fröhlich Reisen, Lorsch durchschnittlich
Lemmi's Busreisen, Weißenburg durchschnittlich
Omnibusbetrieb Chattengau, Niedenstein bedenklich
Salza-Tours L. König, Bad Langensalza bedenklich
Omnibusbetrieb B. Reithmayer, Hechingen bedenklich
D. Mohnssen Busbetriebe, Dänischenhagen bedenklich
DH Tours D. Olbertz, Düren bedenklich
Urban-Reisen, Gladbeck bedenklich
 
von Tim Kanning
Mit Material von ots
 
 
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